14.6. _ 16:55 _ HOF

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Das Wort zum Fussball – philosophische Tricks und ein Gedanken-Kick mit Olivier Aebischer 

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Das Wort zum Fussball – ein Gedanken-Kick

  • Liebe Mit-Menschen (es sind alle mit-gemeint)
  • Der Mensch spielt Fussball.
  • Der Mensch spielt mit anderen Menschen Fussball.
  • Der Mensch spielt mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball.
  • Menschen schauen Menschen zu, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen.
  • Menschen, die anderen Menschen zuschauen, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen, sind gegen andere Menschen, die denselben Menschen zuschauen, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen.
  • Menschen, die nicht Fussball spielen und nicht Menschen zuschauen, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen, schauen Menschen zu, die Menschen zuschauen, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen und fragen sich:
  • Warum nur schauen Menschen Menschen zu, die mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen und sind gleichzeitig gegen andere Menschen, die denselben Menschen zuschauen, wie sie mit anderen Menschen gegen andere Menschen Fussball spielen?
  • Nach alledem stellt sich die Frage: Was eigentlich ist der Mensch?
  • Lässt sich diese grundsätzliche Frage in Funktion von Fussball beantworten?
  • Hält Fussball Erkenntnis bereit, was den Menschen wesentlich ausmacht oder zumindest, was den Fussballer, die Fussballerin, den Fussball-Fan und die Fussball-Ignorantinnen und -Ignoranten?
  • Fussball verbinde Menschen, heisst es.
  • Zumindest ermöglicht Fussball ausgelassene Feiern, wie alle möglichen Figuren der eben genannten vier Fussball-Typen zeigen.
  • Fussball sei zudem, zusammen mit einer anderen Aktivität, die schönste Nebensache der Welt.
  • In dem Fall nicht die Hauptsache menschlichen Tuns aber immerhin auf gleicher Stufe wie Sex.
  • Gibt es vielleicht hier einen Zusammenhang, dass Menschen, die sich selber zu Gruppen ihrer jeweiligen sexuellen Orientierung bekennen, sich ebenfalls in Funktion von Fussball erkennen wollen können, dürfen, sollen, mitspielen wollen?
  • Der Mensch sei nur da ganz Mensch, wo er spielt, behauptete einst ein niederländischer Mediävist.
  • Fussballspiel oder Liebesspiel?
  • Das ist hier die Frage.
  • Wer sie beantworten kann, kommt eine Runde weiter.
  • Zurück zur Frage, was der Mensch eigentlich sei.
  • Neuere Arbeiten zur Evolutionsgeschichte des Menschen tendieren zur Auffassung, dass eine ganz bestimmte Eigenschaft des ursprünglich ziemlich unbedeutenden Homo sapiens entscheidend zu dessen Siegeszug als Spezies beigetragen habe:
  • Nämlich die Fähigkeit, an gemeinsamen Erzählungen Anteil zu haben, aus der sich die Bereitschaft ableite, mit Gleichgesinnten zu kooperieren.
  • Fussball leistet dies in hohem Masse:
  • In jedem Spielzug, in jeder Partie, mit jedem Individuum auf dem Platz
    • – inklusive Trainern und Spielerfrauen
    • und natürlich auch Spielermännern und Spielerinnenfrauen
    • und Trainerfrauen und Trainermännern
    • und Frauen-Schiedsrichterinnen und Schiedsrichterinnen-Männer
    • und Schiedsrichterinnen-Frauen
    • und Flitzer und Flitzerinnen
    • Transgender sind mitgemeint
  • sind eine Vielzahl von möglichen Geschichten verbunden, an denen Millionen von Menschen Anteil haben und die gemeinsame Anknüpfungspunkte liefern, die wiederum Grundlage – einen common ground – für Austausch und Kooperation schaffen.
  • Aus gemeinsamer Kooperation ergeben sich gemeinsame Unternehmungen.
  • Die ersten Unternehmungen einigermassen organisierter Menschengruppen waren Kriegszüge zur Unterwerfung anderer Menschen und zur Bereicherung der eigenen Gemeinschaft auf Kosten der anderen.
  • Ob die Fussball-WM nun eher Gemeinschaft stiftend ist, indem sie verbindende Erzählungen liefert, oder ob sie allenfalls instrumentalisiert wird, für ganz bestimmte Gruppen mit bestimmten Interessen Gemeinschaft stiftend zu sein, oder ob dabei doch eher eine Unternehmung zur Bereicherung bestimmter Gruppen im Vordergrund steht, bleibt hier offen.
  • Schliesslich gelangen wir mit dem bis hierher Gesagten zu folgendem für uns hier und jetzt relevanten Fazit:
  • Der Mit-Mensch ist ein Gemeinschaft bildendes Wesen, das aufgrund gemeinsamer Teilhabe an Geschichten kooperiert, dabei gerne andere unterwirft, sich bereichert und nebensächlich am liebsten mit seinesgleichen spielt – oder dabei zuschaut.
  • Ich wünsche allen viel Freude beim Mit-Menschsein und beim Miteinanderspielen
  • Merci vielmal!

(TEXT: Olivier Aebischer)

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